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Kultur im Jänner

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Ein stiller Jahresvorsatz war wesentlich mehr Bücher zu lesen als vergangenes Jahr. Um dem Vorsatz eine sanfte Verbindlichkeit zu geben, gibt es eine „Zehn-Seiten-Regel“, so viel möchte ich Minimum pro Tag lesen.

Siehe da: Es hat im Jänner perfekt geklappt. Man muss nur einige Lücken im Tag füllen und abends nicht komplett am Sofa versumpfen und schon steigt die persönliche Leserate. Einige Bücher sind zurzeit in Arbeit, eines habe ich im Jänner blitzartig verschlungen:

Buchtipp: Kindeswohl, Ian McEwan

Anfang Jänner kam man an diesem Buch kaum vorbei. In allen Rezensionen hoch gelobt, flog es trotzdem scheinbar unsichtbar an mir vorüber, wenn nicht Frl. S. mir einen Tipp gegeben hätte. Auf meiner Jänner-Wienfahrt kaufte ich es im Bahnhofskiosk und schon am nächsten Tag bei der Heimfahrt hatte ich es durchgelesen. (und damit fast einen Monat an Seiten für meinen Lesevorsatz erfüllt). Ich möchte hier nicht auf den Plot eingehen, sondern vielmehr den feinen Stil von McEwan loben.

Selten hat ein Buch auf Anhieb so viel Freude beim Lesen bereitet. Ich war an manchen Stellen an den Stil von John Irving erinnert, der auch wunderbar schreibt. Man schätzt einen sehr guten Autor erst, wenn man das Vergnügen hatte einen äußerst schlechten Stil zu lesen, was ich Euch sehr empfehlen würde. Erst dann sieht man, was einen guten Autor ausmacht. Eine ganz klare Leseempfehlung für Kindeswohl.

Filmtipp: Enemy, Dennis Villeneuve

Der Abspann läuft und man hat keine Ahnung, was man gerade gesehen hat. Ein surreales Stück kanadischen Films in Gelbtönen. Das bleibt beim ersten Mal hängen. Und sofort die Frage? Was war das? Der Film führt in das Unterbewusstsein des Protagonisten und zeigt seinen Kampf mit sich selbst. So würde ich den Film nach dem zweiten Mal beschrieben. Ein Film der dringend Begleitliteratur braucht und der nicht als feine Abendunterhaltung funktioniert.

Dieser Film ist keine Pflicht, aber es ist ein Film, der mich nach dem Sehen eine Zeitlang beschäftigt hat, wahrscheinlich weil ich ihn verstehen wollte und das nicht sehr leicht gemacht wird. Wer einen Film nicht zur Berieselung, sondern als intellektuelle Herausforderung sucht und Mulholland Drive schon gesehen hat, bitte: Etwas Besseres kann man zurzeit nicht finden.

Was folgt

Das waren die kulturellen Highlights im Jänner. Dass beide Werke gefallen haben zeigt die Tatsache, dass ich inzwischen einen weiteren Ian McEwan Roman Honig lese und dass wir schon einen Tag nach Enemy einen weiteren Dennis Villeneuve Film, Prisoners, gesehen haben. Prisoners strengt weniger an und ist ein solide gebauter Thriller. Honig ist erst zur Hälfte durch, zu früh für ein Zwischenresümee.

3 Kommentare

  1. Bei Enemy ging es uns haargenauso. Plötzlich war der FIlm zu Ende und wir saßen da und haben immer noch auf ein Weitergheen gewartet, bis uns klar wurde, dass er tatsächlich zu Ende ist!!

    Prisoners hingegen fand ich unglaublich fesselnd. Ich habe lange nicht mehr einen so fesselnden Film gesehen, bei dem ich tatsächlich die gesamte Zeit hochkonzentriert geschaut habe, schon allein der Tatsache wegen selber Eltern zu sein und die ganze Zeit zu überlegen, wie man selber handeln würde, in wem man sich selber wiedererkennt…total schweres Material, finde ich.

    • Ja, Prisoners war wirklich unglaublich spannend und hat mich auch vom ersten Moment an gefesselt. Enemy muss ich auch noch ein drittes Mal sehen; ich denke es wird von Mal zu mal besser 😉
      Fazit: Der Regisseur ist schon seeehr sehenswert.
      Nebenbei: Wusstest Du, dass der Film „Stadt der Blinden“ von gleichen Autor wie Enemy ist? Ein bedrückender aber auch sehr beeindruckender spanischer Film. Solltet ihr Euch auch ansehen, falls nicht schon geschehen. 😉

  2. Pingback: Kultur im Februar | ugiwaza

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