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Hübsch im Büro

Trauerpate

Heute bin ich hübsch im Büro. Ich habe noch einen Termin bei dem ich hübsch sein sollte. Der Termin ist heute Vormittag in der Kirche und es ist ein Abschied.

Letzte Woche ist eine liebe Arbeitskollegin bei einem schlimmen Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Ein junges Mädl, 22 Jahre alt, plötzlich nicht mehr da. Sie war unsere neue Kollegin aus der Nachbarabteilung und erst seit Jänner bei uns im Büro.

Außer einem Fototermin hatte ich noch nicht viele Projekte mit ihr machen können, aber sie war eine feine Kaffeepausenkollegin. Und KaffeepausenkollegInnen sind wichtig.

Am Freitag in der Früh habe ich im Eingangsbereich ihr Bild mit Datum des Vortages und einer Kerze daneben gesehen. Nicht den Bruchteil einer Sekunde hat es gedauert die Verbindung mit dem schrecklichen Unfall zu knüpfen, der am Vortag in der Stadt passiert war. Fassungslos stand ich da.

Sie war ein so feiner und angenehmer Mensch. Warum passiert so was? Gerade so ein junger Mensch, der gerade sein Leben durchstartet?

Meine Fotos, die ich von ihr für unser Unternehmen gemacht habe, zieren nun Sterbebild, Pate und Kreuz. Wenn ich Anfang Jänner, als ich die Fotos gemacht habe, gewusst hätte welchen Zweck diese Fotos bekommen würden…

Ganz herzlich habe ich sie damals zum Lachen gebracht. Es ist immer etwas besonderes einen Fremden auf Fotos zum Lächeln zu bringen, vor allem wenn alles und jeder in der Umgebung noch fremd und neu sind. In den wenigen Monaten die sie bei uns war wurde sie schnell vertraut. Leider waren es nur wenige Monate.

Schnell noch die Krawatte umbinden. Gleich starten wir los. Traurige, nachdenkliche Tage.

6 Kommentare

  1. Ich kann mir gut vorstellen, wie dir zumute ist. Bereits beim Lesen deiner herzlichen Zeilen hab ich einen Kloß im Hals bekommen.

    Es ist immer wieder schwer, Abschied von einem Menschen zu nehmen – noch dazu, wenn er noch so jung war und im Prinzip noch sein ganzes Leben vor sich hatte.

    Ich wünsche dir und deinen Kollegen ganz viel Kraft, um die heutige Abschiednahme zu überstehen – und natürlich auch, um den Verlust zu verarbeiten. Auch, wenn ihr noch nicht so viele gemeinsame Projekte durchführen konntet, hat das Mädel dennoch Spuren in eurem Leben hinterlassen. Bewahrt sie stets in gutem Andenken!!!

    • Danke für Deine Zeilen. Wir haben bereits gestern in der Firma eine ganz feine und sensible Trauerfeier gemacht, die unser Chef mit ganz viel Gefühl begleitet hat. Die Eltern waren dabei auch anwesend und diese Veranstaltung war für uns alle sehr wichtig.
      Auch wenn Sie nur kurz meine Kollegin war wird mir ihre feine und angenehme Art mit Sicherheit unvergessen bleiben. Schade, dass wir uns nur so kurz kennen durften.

  2. Oh-je, hinter Deiner Post-Überschrift vermutet man erst einmal gar nicht diese traurigen und nachdenklichen Zeilen!

    Unfassbar ist es immer, wenn vor allem ein junger Mensch einfach so aus dem Leben gerissen wird! Warum nur?

    Papagena

  3. Lieber Herr S.
    Leider weiß ich aus eigener Erfahrung zu gut, wie sich dies anfühlt. Das Leben ist ungerecht und sein Ende macht nicht immer Sinn. Etwas, das ich leider auf die harte Art lernen musste. Ich wünsche dir, in dieser Situation viel Kraft, denn die braucht man.

  4. Pingback: 12 von 12 – Mai | ugiwaza

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