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Keine Tasse mehr im Schrank

Die letzte ihrer Art

Die letzte ihrer Art

Nachdem mein Rechner hochgefahren und die Tasche zielsicher im Eck verstaut ist, führte mein morgendlicher Weg immer Richtung Pausenraum. Üblicherweise ist dort bereits ein lecker Kaffee durch die Industriefilterkaffeemaschine gelaufen, den ich mit tagtäglicher Routine süße und bemilche, um dann die ersten Emails kaffeegestärkt beantworten zu können.

Leider ist diese tägliche Routine in letzter Zeit nicht mehr gesichert. Unsere liebe Reinigungsdame, welche für Ordnung, Sauberkeit und den morgendlichen Kaffee sorgt ist seit etwa zweieinhalb Monaten im Krankenstand. Seitdem herrscht morgendliches Chaos.

Da ich meist einer der ersten im Büro bin, habe ich mich schon daran gewöhnt die Kaffeemaschine zu füllen und einzuschalten. Die Tassen abzuspülen und einzuordnen ist hingegen weniger meins. Dies wird von irgendjemandem erledigt. Manchmal. Manchmal auch nicht.

Grund für meine lieben Kollegen, frühmorgendliche Diskussionen über die Ordnung im Pausenraum loszubrechen. Ich erspare mir in diese Diskussionen einzusteigen. Einerseits ist es meist defintiv zu früh für politischen Diskussionen, andererseits will und kann ich nicht Partei für diese oder jene Seite ergreifen. Schlicht: Mir ist es völlig egal. Ich mach mir meinen Kaffee eh selber und räume meine Tasse dann auch in die Spülmaschine. Warum also ärgern?

Heute jedoch war die Situation etwas schwieriger, da im Tassenkasten keine Tassen, sondern nur Wassergläser waren. Und es waren wirklich überhaupt keine Tassen mehr da. Nicht, dass wir nur ein, zwei Tassen hätten. Nein, es sind sonst sicher geschätzte zwanzig, dreißig Tassen im Schrank. Heute allerdings nicht.

Sie waren aber auch sonst nirgendwo. Ein schwere Situation für mich. Einerseits rinnt bereits der Kaffee gnadenlos und ungebremst in die Kaffeekanne, andererseits kann ich meine Tasse nicht vorbereiten. Wahrscheinlich entführt, mein erster Gedanke. Blödsinn.

Da auch in allen anderen Küchenschränken keine Tassen zu finden sind, wechselt die Stimmung von träger Müdigkeit schlagartig zu rasender Panik.

Ihr werdet es nicht glauben, aber ich habe nach wild, hektischem Rumgelaufe dann doch tatsächlich und das ist jetzt kein dramaturgischer Einfall, eine letzte Tasse versteckt hinter all den Wassergläsern gefunden. Schnell nehme ich die Tasse, befülle sie mit Kaffee und sause blitzartig in mein Büro.

Keine Ahnung, ob meine Kollegen noch immer auf der Suche nach den Tassen sind. Spätestens in zwei Stunden ,zur vormittäglichen Kaffeepause, werde ich sehen, ob bereits ein Arbeitskreis „Wer hat unsere Tassen entführt?“ gebildet wurde oder ob alle ihren Kaffee aus Wassergläsern schlürfen.

1 Kommentar

  1. Boah, da hast du aber wirklich Glück gehabt. Aber genau DAS ist der Grund, warum ich im Büro meine Tasse ausnahmslos immer auf meinem Schreibtisch platziert habe. Und die „Wer-macht-was“-Frage stellt sich bei uns nicht, dafür gibt’s ja Super-B. und unseren Quoten-Mann. Die sind Spezialisten beim Befüllen des Waschautomaten. Und wehe, es mischt sich jemand ein und macht es anders, als es die beiden gewohnt sind. Dann lieber gar nicht erst damit anfangen. ;-))
    Bin schon gespannt auf euren Arbeitskreis „Kaffeetassen“.

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